Corona-Resonanz: Herausforderungen unserer Zeit – Was uns Aufstellungsarbeit in der Krise zeigt

Im Jahr 2020 wird es für alle konkret: Bisher konnten wir sehr bequem der Grundsatzdiskussion, wie wir uns als Einzelne und als Gesellschaft mit dem Tod auseinandersetzen wollen, ausweichen. Die Todesgründe und – statistiken hatten zumeist nicht direkte Auswirkungen auf unseren ganz persönlichen Lebensalltag und wir konnten uns in einer vermeintlichen Sicherheit wiegen. Wir verdrängten munter die Tatsache, dass viele Menschen auf dieser Welt aufgrund von Herkunft, Hunger, Seuchen, Konstitution oder Zugang zu medizinischer Versorgung u.v.a. Gründen starben. Wir verdrängten, dass es für viele Krankheiten keine Heilung und keinen Schutz gibt. Das gilt immer noch! Auch im Jahr 2020.

Ein Virus hat nun die Welt und die Menschen darin auf besondere Art “ergriffen” und die Menschheit hat sich selbst angehalten.

Was steht für uns als Menschheit an? Mit Covid-19 tritt eine neuzeitliche “Seuche” in unser Leben und konfrontiert uns mit dem Fundament unserer Gesellschaft: Wie kümmern wir uns, um die Schwachen in unserer Gesellschaft? Was sind unsere Prioritäten in einer Welt, die von wirtschaftlichen Interessen und dem Wohl des Einzelnen getrieben und abhängig ist? Wie gehen wir mit dem unausweichlichen Sterben und Tod um?

Wir sehen bereits jetzt: Wir sind an eine Grenze geraten.

Die einzige Wahl, die uns die Welt, in der wir gerade leben, bietet, ist der Shutdown. Wir ziehen den Stecker, stoppen unsere Lebens- und Gesellschaftssysteme sowie unsere persönlichen Kontakte und körperlichen Aktivitäten. Wir halten nur absolut Lebensnotwendiges aufrecht. Das ist die lebende Darstellung von Trauma. Wir antworten dem potentiell traumatischem Tod mit einem Gegentrauma. Der (Ab-) Trennung von Allem.

Interessant dabei ist, dass Kontrolle, Regeln, Einschränkungen und Stillstand tatsächlich erst einmal Angst befrieden. Aber diese aus der Not geborene Wahl macht uns sehr bald handlungsunfähig. Wenn die Emotionen in einem Menschen oder einer Gesellschaft nicht gefühlt werden, müssen zur Kompensation, die Regeln, das innere Abspalten und die Kontrolle immer stärker forciert werden.

Für den Menschen und die Gesellschaft an sich, sind die derzeitigen Maßnahmen, ob bewusst oder unbewusst traumatisch. Die körperliche Trennung, die fehlende menschliche Nähe und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit erzeugen großen Stress und bei bereits traumatisierten Menschen eine Retraumatisierung. Zusätzlich gerät die Gesellschaft an sich in Resonanz mit dem kollektivem Gedächtnis, indem ganz archaisch alle Kriegs-, Schock- und Gewalterinnerung abgespeichert sind. Das Einzige, was dann zählt, ist Überleben. Alles Andere wird hinten an gestellt. Der gesellschaftliche Shutdown ist also nicht nur ein wirtschaftlicher sondern tatsächlich ein kollektiver Shutdown auf (Über-)Lebensebene.

Wir sind in einem erzwungen Stille-Retreat.

Doch kann diese erzwungen Pause, wenn wir das bewusst entscheiden, umgedeutet werden: Wir sind  auch in einem erzwungenen Stille-Retreat – einem Rückzug, nicht, um von etwas zu fliehen, sondern um sich in sich selbst zurückzuziehen und sich wiederzufinden, mit allem, was (in uns) ist. Dazu brauchen wir die Fähigkeit, des Fühlens und Zustimmens. Denn als Nächstes müssen die Angst und all die anderen Emotionen, die gerade da sind, gefühlt werden. Wir sind atmende, fühlende Wesen. Sind wir bereit, alles zu fühlen, was es in der jetzigen Situation zu fühlen gibt? Tatsächlich öffnet uns das Anerkennen und Spüren der eigenen Emotionen als Menschen auf eine Weise, die uns verletzlicher, aber damit auch authentischer und verbundener sein lässt  mit uns selbst und mit Anderen.

Wir brauchen Veränderung und Visionen, doch zuvor braucht es ein neues WIR.

Wir brauchen eine Hinwendung zu uns Selbst. Wir brauchen ein Wiederfinden von uns selbst und unserer Seele. Wir brauchen eine Zuwendung zur Natur und zu unseren Emotionen. Zu all unseren Emotionen. Wir brauchen eine grundsätzliche und tiefgehende Integration all unserer Seins- und Körperebenen. Wir müssen dringend “zu uns kommen”. Wir müssen als Gesellschaft wieder eine gemeinsame Seele und Vision entwickeln. Wir müssen unsere uralte kollektive Schuld und unseren zeitlosen kollektiven Schmerz umarmen. Wir müssen weg vom traumatisierenden Weg des Stärkeren hin zu einer Gesellschaft, die nährend ist für jeden Einzelnen und in dem auch die Einzelnen bewusst sich nähren.

Das geht letztendlich nur über ein wortwörtliches “zu sich kommen”, wobei der Körper und die Emotionen ebenso gefühlt werden wie das Mentale und Spirituelle. Es geht um eine neue Balance und Integration unserer inneren und äußeren Räume. Das eine ist nicht vom Anderen zu trennen. Wir brauchen wieder Kontakt und Respekt zu unserer Erde. Und wir müssen uns unseren Kindern wieder zuwenden und einen neuen “Generationsvertrag” aufsetzen. Ein Zusammensein der Generation, in der nicht die Älteren die Jüngeren ausbeuten. Auch nicht ein Miteinander, indem wir die Kinder neben uns laufen lassen, wir selbst taumelnd und ohne Verständnis für uns selbst.

Zuallererst müssen wir Erwachsene uns verändern, in eine neue Lebensqualität (er-)wachsen, die verwurzelt und verbunden ist mit der Erde und dem Körper. Wo wir dem natürlichen Wachstum dienen nicht dem Wirtschaftlichen. Wo Spiritualität Integration und Balance aller Ebenen und Verbindung im Zwischenmenschlichen bedeutet – und damit nicht ein Rückzug auf Persönliches, Vereinzelndes ist oder gar ein Fliehen in himmlische Sphären.

Das Anerkennen unserer natürlichen Verletzlichkeit führt zu einer neuen Balance

Das Anerkennen unserer Verletzlichkeit, unserer Abhängigkeit von der Natur, unseren Mitmenschen und unserem Planeten und das Finden/Fühlen unserer eigenen Natur führt uns zu einer neuen, inneren Balance. Wenn wir diese sehr persönliche, innere Arbeit leisten, dann werden wir wieder sichtbar, greifbar und ansprechbar für unsere Kinder und füreinander selbst. Dann übernehmen wir Führung und Verantwortung auf einem gemeinsamen, wachen und nährendem Weg und Miteinander.

Und wir stehen damit erst am Anfang: Zur Zeit ist dieser Shutdown eine Pause, eine kurze Unterbrechung, des Alltags verbunden mit der Hoffnung, dass alles so wird und weitergeht, wie es davor war. Je länger dieser Zustand anhält, um so mehr wird es eine Zäsur, je mehr bricht das Alte zusammen und zwingt uns, zu stärkeren Gegenmaßnahmen – im schwierigsten und vielleicht besten Fall zu einem Neubeginn unter neuen Vorzeichen.

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Was im letzten Jahr als Forschungsprojekt zum Thema Impfen begann und uns mit der Frage zurück lies, wie wir uns als Einzelne und als Gesellschaft mit dem Tod auseinandersetzen wollen, wurde nun im April 2020 zu einer Forschungsreise mit der Resonanz-Aufstellungsgruppe zu den Herausforderungen, die uns Corona bringt.

Einige Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit flossen in obigen Artikel und in diesen Artikel ein.

Ausserdem gibt es Audio-Auszüge zum Thema:
Corona, die Gesellschaft und das Kollektive (1),
Corona: Die Herausforderungen für uns Menschen aus spiritueller Sicht (2),
Die gespaltene Gesellschaft – Lösungsimpulse (3),
Die geopferten Kinder oder der aussichtslose Kampf des Menschen gegen den Tod (4).

▸ Weitere Informationen zur Teilnahme an der regelmässigen Online Resonanz-Aufstellungsgruppe

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